Yvonne Wenger

Diplomierte Tierpsychologische Beraterin I.E.T.   -   Mitglied V.I.E.T.A.

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Gitan

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Mein Golden-Retriever-Opa hiess Gitan. Geboren ist er in Granges im Wallis und sollte eigentlich Rollstuhlbegleiter bei Le Copain werden. Mit 11 1/2 Wochen kam er als Patenhund in unsere Familie. Noch als sehr junger Hund wurde er damals von einer Wespe gestochen und in der Folge wurde von unserer Tierärztin bei Gitan eine schwere Allergie diagnostiziert. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass wir ihn behalten haben.

Alles war gut und recht und wir haben ihn gerne bei uns behalten. Doch hat dieser unglaublich temperamentvolle Hund gelernt, dass er immer gefordert wurde. Die ganzen Aufgaben von Le Copain fielen nun aber weg. Obwohl ich trotzdem noch die einen oder anderen Uebungen mit ihm machte, genügte ihm dies nicht mehr... Ständig wollte er neues lernen. Wenn es Wissbegierde bei Hunden gibt, so entsprach Gitan voll und ganz diesem Bild. So habe ich mich entschlossen, mit ihm Agility zu machen. Mit viel Eifer war er dabei, hatte aber mehr das Clown-Spielen im Kopf als das ernsthafte Einhalten der korrekten Reihenfolge der Hindernisse. So wollte er einfach nicht wissen, dass er nicht einfach durch den "Sacktunnel" rennen kann, wenn dieser am anderen Ende des Parcours steht. Aber die Freude, die einem aus seinen dunkelbraunen Augen entgegen leuchtete, liess einen schnell den Aerger über ein erneutes "éliminé" vergessen.

Auch in Begleithund 1, Mobility und Familienhund machte Gitan jeweils fröhlich mit. Hauptsache es lief etwas und er konnte wieder etwas Neues ausprobieren. Auch hier hatte er jedoch seine eigenen Vorstellungen eines korrekten Ablaufs. Wenn er "voran" geschickt wurde, rannte er los, wenn er sicher war, dass er ein Würstchen ergattern konnte. Ja, und natürlich riefen andere Teilnehmer auch gleichzeitig "voran" - was Gitan dann genauer untersuchen musste. Richtig, auch für andere Hunde lagen Würstchen bereit - aber Gitan war schneller.

Immer war er zu Spässen aufgelegt, bis er im Alter von knapp 11 Jahren mit den Hinterbeinen "nachschlurbte", bis die Krallen bluteten. Ihm einfach Schuhe anzuziehen haben wir zwar versucht, doch war dies keine Dauerlösung. Eine MRI-Untersuchung bei einem Neurologen in Luzern brachte die traurige Gewissheit zu Tage - Bandscheibenvorfall. Konnte man wirklich einen so alten Hund noch problemlos narkotisieren? Würde eine Operation gut verlaufen? Was wäre die Alternative? Es gab keine Möglichkeit, an einer Operation vorbei zu kommen, wenn wir Gitan behalten wollten. Mit grosser Angst habe ich schliesslich zugesagt und bin mit ihm diesen Weg gegangen. Angst davor, dass er nicht mehr aufwachen würde...

Von der Operation hat sich Gitan trotz seines recht hohen Alters sehr rasch und gut erholt. Mit Schwimm- und Laufbandtherapie wurden seine Muskeln gestärkt. In der Folge wurde er wieder der fröhliche, übermütige Hund, den wir kannten.

Zeitlebens ist Gitan eigenwillig, aber stets liebenswert geblieben. Er hat mit zunehmendem Alter seine "Marotten" etwas ausgeweitet. Seine Augen wurden trübe, manches hörte er nicht mehr so gut, obwohl man sich hier nie ganz sicher sein konnte, ob dies nun Absicht war oder nicht. Natürlich war er im Alter nicht mehr so schnell wie früher und verbrachte seine Nachmittage auch gerne mal einfach im Gras liegend. Aber wenn es in die Berge ging, dann war er bis fast zuletzt wieder dabei. Seinetwegen wurden die Wanderungen angepasst und wir fanden uns damit ab, dass nun vieles nicht mehr möglich sein würde. Doch wir hatten die Rechnung ohne Gitan gemacht. Während wir - eben im Umkehren begriffen - eine kurze Tour beenden wollten, kehrte er trotzig wieder um und rannte bellend und übermütig den Bergweg hoch. So als wollte er sagen, nun kommt doch endlich, ich mag noch lange.

... und niemand, nicht einmal der Tierarzt, mochte glauben, dass dieser Hund schon mehr als 13 Jahre auf seinem Buckel hatte.

Kurz vor seinem 15. Geburtstag ist Gitan nun von uns gegangen... Eines Tages mochte er plötzlich nicht mehr aufstehen. Nur mit grossen Schmerzen konnte er sich noch bewegen. Der zu Hilfe gerufene Tierarzt wurde von ihm wie ein Erlöser empfangen... Gitans Platz ist nun leer...wir sind masslos traurig.

Gitan, Deine Liebe, Deine Güte werden für immer in unseren Herzen weiterleben...Du fehlst so sehr....

 

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